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Dr. Johannes Chrząszcz über Dobrau   (Andreas Smarzly - Danke!)

Einige Notizen über Dobrau in Oberschlesien


Dobrau wird zum ersten Male am 16. Februar 1302 erwähnt, es war mit den benachbarten Orten Ottmuth, Krappitz, Stöblau dem Kloster Himmelwitz zehntflichtig.1) Ob schon damals eine Pfarrkirche hier bestand, muß dahingestellt bleiben. Sicherlich hat der Herr des Ortes, wie es anderwärts geschah, auch hier die Kirche errichtet und mit Wiedmut dotiert. Als Pfarrkirche erscheint „D o b r a w“ in dem Verzeichnis des Peterpfennigs vom Jahre 1447, laut Anschlag sollte die Pfarrei jährlich 5 Groschen Peterspfennig entrichten. Aus diesem Anschlag ersieht man, dass sie eine der kleinsten der 21 Pfarrkirchen war, welche das Ober-Glogauer Archipresbizterat bildeten.
Die Hussiten drangen im Frühjahr über Grätz und Leobschütz nach Ober-Glogau und nahmen am 13. März 1428 die Stadt im Sturm ein. Schwärme der Hussiten plünderten die Nachbarschaft und so mag auch Dobrau ausgeplündert, vielleicht die Pfarrkirche eingeäschert worden sein. Denn als in dem Jahre 1447 der Peterspfennig auch in Dobrau erhoben werden sollte, war die Kirche unbesetzt - „Dobrau vacat“ – und es kam nichts ein. Das Schicksal der Ausplünderung durch die Hussiten mögen auch andere Pfarrkirchen des Ober-Glogauer Archipresbitzerats erlitten haben, da noch im Jahre 1447 von 21 Pfarreien acht unbesetzt waren.2)
Wer versah nun den Gottesdienst in der Pfarrei Dobrau, zu de, wie wir aus späterer Zeit wissen, das Dorf Steblau gehörte? Wahrscheinlich der Pfarrer von Komornik. Wenigstens meldet das Visitationsprotokoll vom Jahre 1687: Haec ecclsia olim spectabat pro filiali ad ecclesiam parochialem Komornicensem (Diese Kirche gehörte ehemals als Filialkirche nach Komornik); Dobrau ist nur eine Viertelmeile von Komornik entfernt. Und etwas früher, im Visitationsbericht vom Jahre 1679, wird dasselbe bezeugt, wobei die Kirche nur eine Kapelle (capella) gennant wird, welche von Lutheranern erbaut worden sei. Es wird daher anzunehmen sein, dass die ursprüngliche, von Hussiten heimgesuchte Pfarrkirche etwa im 16. Jahrhundert seitens des protestantischen Grundbesitzes durch eine Kapelle ersetzt worden ist. Aber Gottesdienst wurde 1679 in ihr nicht abgehalten, sie blieb verödet, obwohl sie mit Acker dotiert war. Das Vorhandensein des Ackers oder der Widmut bezeugt auch jetzt noch, trotzt der Verödung, den Charakter einer Pfarrkirche.
Inzwischen waren die Dobrauer Güter mit der Krappitzer Herrschaft vereinigt worden. So wurde auch die Dobrauer Kirche mit Krappitz vereinigt. Das Jahr lässt sich nicht mehr angeben. Diese Vereinigung mit Krappitz besteht heute noch. Pfarrer Servatius von Krappitz (+1683) hielt in Dobrau fünfmal Gottesdienst ab und diese Ordnung wurde noch um 1830 innegehalten.
Die von Protestanten erbaute Kapelle war baufällig geworden. Der Krappitzer Pfarrer Georg Dubelius erbaute mit Zustimmung der Obrigkeit im Jahre 1687 eine neue Kirche in Dobrau, die ihm mit der Investitur zugesprochen worden war. Über die neue Kirche findet sich im Visitationsprotokoll des gleichen Jahres diese Angabe: „Die Kirche ist ganz von Holz, nämlich von Grund aus erbaut. Die alte Kirche war der hl. Hedwig geweiht, weshalb das Kirchweihfest am zweiten Sonntag nach St. Hedwig gefeiert wird. Der Glockenturm ist der Kirche angefügt, und stammt aus alter Zeit, darin sind zwei Glocken. Der Kirchhof ist ummauert.3) Diese Kirche ist eine halbe Meile von der Stadt Krappitz und nur eine kleine Viertelmeile vom Dorfe Komornik entfern, alle Parochianen sind katholisch. Zwei Dörfer gehören hierher, Dobrau und Steblau. Der Bau rührt vom Almosen her. Das Holz gab der hochedle Patron (collator), die Fuhren leisteten die Parochianen. Zu dieser Kirche gehört eine Hufe Acker.“ 4)
Das Achipresbiteratsbuch von Ober-Glogau vom Jahre 1731 bringt weitere Nachrichten Über Dobrau. Es heißt hier: Die Filialkirche in Dobrau unter dem Mitpatronat des Karl Grafen Redern ist dem hl. Johannes dem Täufer geweiht und mit Krappitz verbunden. Früher ist sie von den Schweden ausgeraubt und völlig ruiniert worden, bis sie unter Pfarrer Georg Dobelius von Neuem errichtet worden ist.
Bei dieser Kirche ist ein Häuschen erbaut worden, damit der dortige Einwohner (inquilinus) täglich drei Mal zu Ave Maria läute und mit einer Büchse (cum pixide) herumgehe, um für die Kirche Almosen zu Sammeln. Dafür erhält er ein Drittel zu seinem Unterhalt. Außer diesem Almosen und dem üblichen Klingelbeutel hat die Kirche keine Einnahmen; nur von Grabgeläut bezieht sie 2 Silbergroschen.
Der Pfarrer von Krappitz besitzt als Seelsorger dieser Kirche drei Stück Feld, das eine Stück zwischen dem Dominialfeld und dem Acker des Kretschams. Das zweite und dritte Stück war ähnlich gelegen. Dieselben werden um 5 oder um 6 Gulden verpachtet, zuweilen werden sie überhaupt erst nicht verpachtet. Zu dem Dorfe Dobrau hat der Pfarrer nahe am Dorfe einen Garten, den er um 10 Gulden zu verpachten pflegt. Von einer dem Pfarrer zugehörigen Wiese hat er eine Fuhre Heu. Die Bewohner von Dobrau entrichten mit Ausnahme des (protestantisches) Schlosses dem Pfarrer nach Ostern den „Tischgroschen“ zu je 4 Kreuzer, und als Neujahrsumgang je einen Silbergroschen. Von Trauungen und Begräbnissen sind die Gebühren entsprechend den Personen, die Begräbnisse der Armen sind frei. Von Taufen und Einleitungen gibt man zusammen 8 Silbergroschen, von Einleitung der Braut 6 Silbergroschen.
Früher bezogen die Pfarrer Messalien aus Dobrau und Steblau, wie die Matrica von Oppeln am 18. Juli 1672 angibt.5) Aber die Pfarrer Dobelius, Lorin, Vimer erhielten keine Messalien, und so wurden sie 1731 auch nicht entrichtet.
Einen Lehrer gibt es in Dobrau nicht, doch ist für ihn irgendeine Wohnung oder ein Unterhalt vorhanden, weshalb bald der Rektor, bald der Organist von Krappitz, wenn dort Gottesdienst abgehalten wird, für irgendeine Entschädigung das Amt des Lehrers versieht.6)
An barem Gelde besaß die Kirche 48 Taler 21 Sgr. An ausgeliehenen Kapitalien 54 Taler, an ausstehenden Zinsen 3 Taler.7)
Daß dem Pfarrer von Dobrau in der Tat ursprünglich die Messalien zustanden, kann nicht bezweifelt werden, da dies auch bei anderen Pfarreien üblich war. Die bereits erwähnte Matrica von Oppeln bezeugt es am 18. Juli 1672 ausdrücklich mit folgenden Worten:
Dobrensis ecclsia habet proventus de quolibet manso modium siliginis et modium avenae. Steblow spectat ad quolibnt manso unus modius siliginis et totidem avenae.8) Daß die Messalien zu der Zeit, wo Dobrau mit Krappitz verbunden wurde, nur auf dem Papier standen, ist ein Beweis, dass vorher lange Zeit kein Geistlicher weder in Dobrau noch anderwärts vorhanden war, der sie in Empfang nahm, dass also die Pfarrei kirchlich verweist war.

Dr. Johannes Chrząszcz.

1) Regesten 2697; Weltzel, Das fürstliche Zisterzienserstift Himmelwitz, Schlesisches Pastoralblatt 1892, 54
2) Rechnung über den Peterspfennig 1447, Zeitschrift 27, 375
3) Auch in Körnitz erhielt sich, als die Kirche eingegangen war, der Glockenturm. So war hier der Glockenturm ein Überrest der alten Kirche.
4) Damals war Patron der Kirche von Krappitz und Dobrau derselbe Gutsherr.
5) Es Schein, dass an diesem Tage Dobrau mit Krappitz verbunden wurde.
6) Nämlich den Gesang bei Begräbnissen u. dergl.
7) Consignatio ecclesiae filialis Dobrensis et eius proventus 1731, eingetragen im Pfarrbuch von Krappitz S.13, 14.
8) Ebendort S. 19. Es wird hier zugleich angemerkt, dass diese Notiz der noch älteren Oppelner Matrika vom Jahre 1550 entnommen ist.