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Polizeibezirk Pilchowitz

1. Marktflecken und Rittergut Pilchowitz liegt 2 Meilen nördlich von Rybnik in einer ziemlich flachen, sandigen Gegend, 1/2 Meile westlich der Rybnik-Gleiwitzer Chaussee, fast an der Kreisgrenze und 1/8 Meile vom linken Ufer der Birawka. Das Rittergut gehört nebst dem Pertinenzgute Niederdorf dem Lieutenant und Kreis-Deputirten Willimek. Das Forstrevier Pilchowitz umfasst 2136 Morgen, deren Reinertrag bei der neuen Grundsteuer-Veranlagung indessen nur auf 5 Sgr. pro Morgen angenommen ist. Der Ackerboden des Ganzen wechselt zwischen lehmigen und sandigen Hügeln und Niederungen, hat allgemein einen undurchlassenden Untergrund und leidet deshalb leicht an Nässe.
    In Pilchowitz befindet sich seit dem Jahre 1858 eine königliche Strafanstalt, welche in das ehemalige, geräumige Schloß, erbaut von den Grafen v. Wengierski, gelegt und für 100 männliche Züchtlinge eingerichtet ist. Außer diesem existirt noch ein altes, auf einer mit tiefen Graben umgebenen Insel liegendes Schloßgebäude, welches der jetzige Besitzer wohnlich eingerichtet, die Graben aufgefüllt und zu Gartenanlagen umgewandelt hat. Bei dieser Gelegenheit wurden im dem Schlamme der Graben verschiedene Waffenstücke, Sporen ec. aufgefunden, Zeugnisse der in früheren Zeiten um den Besitz der Feste stattgehabten Kämpfe. Der Gräflich Wengierskische Rentmeister Anton Welzel zu Rybnik vermachte mittels Testaments vom 2. März 1793 sein gegen 21000 Thlr. betragendes Vermögen zu einem in Pilchowitz zu errichtenden barmherzigen Brüderkloster, worin arme Kranke aufzunehmen seien. Der Graf Wengierski auf Pilchowitz wurde zum Testamentsvollstrecker ernannt. Der Bau wurde um Johannis 1809 begonnen und in vier Jahren so weit geführt, daß das Kloster eröffnet werden konnte. Die Sachen und Effekten wurden größtenteils aus dem aufgehobenen Stifte Rauden dorthin verabfolgt. Dieses Kloster ist das bedeutendste Gebäude und wichtigste Institut in Pilchowitz: die Heilanstalt ist mit 40 Betten, einer Apotheke und einer geschmackvollen Kapelle versehen. Diese Heilanstalt ist ebenso für innere Krankheiten, als für äußere Schäden mit bedeutendem Erfolge wirksam und darf als eines der segensreichsten Institute in Oberschlesien bezeichnet werden. Der letzte Jahresbericht zählt 1163 aufgenommene Kranke auf, wovon 1047 geheilt entlassen, 31 erleichtert, 4 ungeheilt entlassen, 39 gestorben und 42 im Bestand verblieben sind. 69 größere Operationen kamen vor.
    Pilchowitz enthält außer der Pfarrkirche noch eine bedeutende Schule mit 3 Lehrern und 247 schulpflichtigen Kindern. Niederdorf und Wielepole-Pilchowitz sind hier eingeschult. Die Kirche ist 1780 und die Schule in demselben Jahre erbaut. Im Orte werden jährlich 4 Jahrmärkte abgehalten, Tags zuvor findet Viehmarkt statt.
     Die Bevölkerung besteht aus 165 Haushaltungen mit 928 Seelen, von denen 786 nur der polnischen Sprache mächtig sind. Der Viehstand besteht aus 41 Pferden, 258 Stück Rindvieh, 500 Schafen, 49 Schweinen und 10 Ziegen. Zu Pilchowitz gehört noch die Birawka-Mühle, an einem Arme dieses Flußes 1/5 Meile westlich des Orts belegen, mit einer Haushaltung von 14 Seelen, 6 Gebäuden und einem Viehstande von 4 Pferden, 8 Stück Rindvieh und 6 Schweinen.
     Der Gemeinde-Vorstand von Pilchowitz führt den Titel Bürgermeister, er hat 2 Rathmänner neben sich und bildet zusammen mit diesen den Magistrat, welcher jedoch unter der Polizeigewalt des Gutsherrn steht. Um den Verkehr zu beleben, ist dem Orte ein Montags-Wochenmarkt zugestanden worden. Posterpedition. Der nächste und gelegenste Marktort für Pilchowitz ist Gleiwitz, was nur 1 3/4 Meilen, größtenteils Chaussee, entfernt ist. Unter den Einwohner sind eine Anzahl kleiner Handwerker, die sich kümmerlich ihr Brot erwerben und allerlei Händler, die sich etwas besser stehen. Der Ackerbau bleibt trotzt seiner Mängel der Haupt-Erwerbszweig. An Steuer kommen auf 113 Thlr. Grund-, 20 Thlr. Haus-, 60 Thlr. Einkommen-, 340 Thlr. Klassen- und 87 Thlr. Gewerbesteuer.
2. Das Dorf Niederdorf (364 Morgen Acker) schlisst sich südöstlich an Pilchowitz an und bildet die Verbindung zwischen Pilchowitz und Nieder-Wilcza. Das Terrain steigt gegen Niederdorf zu an, so daß die Meereshöhe von Pilchowitz nur 679´ und die von Nieder-Wilcza bereits 840´ beträgt. Der Untergrund ist ebenso undurchlassend wie bei Pilchowitz, aber die Ackerkrume lehmiger, so daß die Bodenbeschaffenheit den Ackerbau nicht besonders begünstigt. Die Bevölkerung nährt sich allein von Ackerbau und Tagearbeit. Im Dorfe befinden sich eine jetzt nicht betriebene Löffelschmiede, 56 Haushaltungen mit 299 polnisch Sprechenden, 71 Gebäude und ein Viehstand von 17 Pferden, 95 Stück Rindvieh, 13 Schweinen und 2 Ziegen. 48 Thlr. Grund-, 6 Thlr. Haus-, 97 Thlr. Klassen- und 10 Thlr. Gewerbesteuer.

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